Wir begleiten Werner Salzmann während des Wahlkampfes und wollen bis zu den Wahlen seinen Puls spüren. In regelmäßigen Abständen wird er uns Fragen beantworten, welche seine Person, seine Haltung, seine Positionierung, seine Einschätzungen sowie seine Erlebnisse und Eindrücke betreffen. Die Fragen stellt Paul Hunziker.

 

Teil 2

Den Kickoff für den Wahlkampf hast Du mit einem tollen Event gegeben. Spürst Du, dass sich etwas bewegt, oder ist immer noch die Ruhe vor dem Sturm?
Ja, es herrscht eine Aufbruchstimmung. Das Pendel der Klimahysterie scheint zurückzuschlagen. Wir müssen nun sicherstellen, dass alle, die denken wie wir, auch wirklich wählen gehen. Da haben wir vor allem auf dem Land Handlungsbedarf. Während es in der Stadt zum Trend geworden ist, am Sonntagmorgen an der Urne Schlange zu stehen, sind wir in den ländlichen Gegenden bequem geworden. Da ist nun jede und jeden von uns gefordert, die Leute daran zu erinnern, dass Nichtwählen heisst, den anderen einen Vorteil zu verschaffen.

Der Politikwissenschaftler Adrian Vatter sagt: Damit die SVP wieder einen Sitz im Ständerat holen könnte, müsste sie einen gemässigten Kandidaten aufstellen, der auch mal von der Parteilinie abweicht. Was würdest Du ihm entgegnen und wie ihm Dein Kandidatenprofil diesbezüglich beschreiben?
Es ist schon erstaunlich, wenn Politikwissenschaftler meinen, die Wählerinnen und Wähler wollen plötzlich Politiker im Stöckli, die Schlangenlinien fahren. Ich kann mich nicht erinnern, dass Simonetta Sommaruga oder Hans Stöckli je von der Parteilinie abwichen, und sie wurden auch gewählt. Tatsache ist doch, die Wähler wollen wissen, was sie mit dem haben, den sie wählen. Ich wage mal zu behaupten, dass man vom Präsidenten des Schützenverbandes und des Landtechnikverbandes wohl kaum sagen kann, er sei nicht über die Parteigrenzen hinaus wählbar.

Wie würdest Du dein Profil beschreiben?
Ich stehe für eine Politik mit gesundem Menschenverstand. Rote Linien setze ich bei der Aufgabe der Unabhängigkeit und der Souveränität, bei der Unterfinanzierung der Armee und bei der Entmündigung und Enteignung der Bürger. Ich bin aber auch bereit zu verhandeln im Interesse von guten Lösungen für eine Mehrheit. So arbeite ich auch auf kantonaler Stufe mit den anderen Parteipräsidenten gut und konstruktiv zusammen. Man kann eine klare Haltung vertreten und trotzdem anständig miteinander umgehen. Letztlich geht es uns allen doch darum, unsere Arbeit gut zu machen.

Die FDP wollte keine Listenverbindung mit der SVP eingehen. Wo siehst Du die Gründe dafür? Ist die FDP nach dem Verständnis der SVP noch bürgerlich? Ist die Berner FDP das Spiegelbild der schweizerischen FDP?
Das bedauere ich sehr. Die FDP hofft auf Grund von Computerberechnungen, im Alleingang 3 Sitze zu erobern und riskiert mit ihrer Strategie, dass ein Sitz zu den geeinten Linken geht. Die Berner FDP arbeitet eigentlich gut mit der SVP zusammen, aber sie lassen sich von Zahlen leiten, obwohl nie klar ist, wie die Zahlen dann wirklich aussehen. Wir sollten bei Proporzwahlen als Bürgerliche grundsätzlich immer zusammenstehen, aber leider ist das Verständnis für die „bürgerliche Einigung“ leider nicht immer vorhanden.

  

Du setzest Dich pointiert mit klaren Worten und Taten für die Sicherheit und die Freiheit der Schweiz ein und willst die Werte und Traditionen unseres Landes erhalten. Wo liegen Deiner Ansicht nach die Gründe, dass diese Themen viele, auch junge Schweizer nicht genügend bewegen können? Warum sind diese globalen Problemen näher als unsere nationalen?
Es geht uns allen zum Glück, dank der grossen Leistungen unserer Vorfahren sehr gut.  Wohlstand und Sicherheit sind für die Jungen selbstverständlich, weil sie nichts anderes kennen. Sie erachten es deshalb auch nicht für notwendig, sich mehr für diese Werte und Traditionen einzusetzen. Man spürt es an der Bereitschaft, ein Amt in Politik, im Verein oder anderswo zu übernehmen.
Gobale Themen werden prominent durch die Medien in die Haushalte und Smartphons getragen. Es ist cool sich einer Bewegung anzuschliessen, auch wenn man nicht genau weiss, warum man demonstriert.
Es ist unsere Aufgabe, den Wohlstand und die Freiheit zu sichern, auch in guten Zeiten.
 

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2019 hat auf unglaublich imposante Art und eindrücklich gezeigt, dass das Volk Traditionen, Brauchtum, Schweizerisches und das Verbindende liebt. Wie kann man diese Masse motivieren, zur Urne zu gehen oder brieflich zu stimmen? Sie müssten doch alle auf der Linie der SVP sein?
Das wird die grosse Herausforderung unserer Partei sein. Die Mobilisation wird die Wahlen am 20.10. entscheiden. Hier können  wir nur geeint und gemeinsam alle unsere Anhänger dazu bewegen, tatsächlich zu wählen. Lippenbekenntnisse nützen nichts.

Teil 1

Werner, Du befindest Dich bereits im Wahlkampf. Für Dich ist es bezüglich des Nationalratsmandates Verteidigung, bezüglich des Ständerats aber Angriff. Worin liegen die Unterschiede für Dich?

Für mich geht es ganz klar darum, dass die grösste Partei im Kanton Bern wieder in der kleinen Kammer vertreten ist und damit auch die Bevölkerung des Kantons im Ständerat auch in ihrer ganzen Breite repräsentiert wird. Im Wahlkampf gibt es keinen Unterschied, es geht darum, in Kontakt mit den Menschen zu treten und sich auszutauschen.

 

Du nimmst etwas nur in Angriff, wenn Du an den Erfolg glaubst, die Überzeugung hast, das Ziel erreichen zu können und den nötigen Support hast. Was war für Dich das Entscheidende, Ständeratskandidat zu werden?

Mit der Vakanz sind die Chancen ein Ständeratsmandat zu erobern am besten. Die Motivation meiner Kandidatur für die kleine Kammer liegt aber eindeutig in der Überzeugung, dass der Kanton Bern mit der grössten Partei im Ständerat vertreten sein muss.

 

Wie gut empfindest Du das Wahlklima für Dich, nachdem die SVP entschieden hat, auf die Wahlen hin keinen klimafreundlicheren Kurs einzuschlagen?

Ich empfinde das Wahlklima eigentlich als gut. Ich treffe immer häufiger Bürgerinnen und Bürger, die erkannt haben, dass die grünen Forderungen nichts anderes sind als neue Steuern, Abgaben und Gebühren mit dem Ziel, getarnt mit dem grünen Deckmäntelchen möglichst viel Geld umzuverteilen von den Leistungswilligen zum Staat.

 

Wo holst Du Kraft, Motivation und Energie, um in einem Kampf, der oft auch im Schlamm stattfindet, bestehen zu können?

Das Wichtigste ist für mich der Rückhalt in meiner Familie und meinem privaten Umfeld. Dort kann ich nicht nur Kraft, Motivation und Energie tanken, dort werden auch alle Themen intensiv ausdiskutiert und Lösungswege gesucht. Auch mein Wahlkomitee, das mich unentgeltlich und intensiv in allen Belangen unterstützt, motiviert mich sehr.

 

Welches sind die ärgerlichsten Angriffe gegen Dich und die SVP, wenn Du einen öffentlichen Auftritt ausserhalb der eigenen Partei hast?

Ich kann mich eigentlich bisher nicht über Angriffe gegen meine Person beklagen. Was mich jedoch ärgert, wenn die SVP als ausserländerfeindlich oder gar rechtsradikal hingestellt wird.

 

Wie begegnest Du dem Vorwurf: die SVP sei eine Neinsager Partei?

Wenn Vorlagen die Schweiz und Ihre Werte mit Füssen treten, können wir nur NEIN dazu sagen. Solche Vorlagen haben sich leider in den letzten Jahren gehäuft und betreffen vor allem die Europapolitik. Ich bin nicht bereit unsere Freiheit und Selbstbestimmung zu opfern, nur um den Weg des geringsten Widerstandes gegenüber der EU einschlagen zu können.

 

Woran liegt es, dass im Parlament Vorschläge, Anregungen und Anträge jeder Art meist abgelehnt werden, nur weil sie von der SVP kommen? Ist die Partei Opfer ihres Erfolges?

Die SVP ist seit dem EWR-NEIN dermassen stark gewachsen und hat sich innerhalb von 15 Jahren auf Kosten anderer Parteien zur stärksten politischen Kraft in unserem Land entwickelt. Es fällt somit den anderen Parteien schwer, Anträge aus unseren Reihen zu unterstützen. Somit sind wir tatsächlich auch Opfer des Erfolges geworden.